LITERATUR23. November 2019, 15:00, Festsaal der Volksbank Schärding
Schärdinger Literaturtag 2019

Maria Eliskases
Ich bin alt, denkt sie mehrmals am Tag und auch nachts, es ist kein unangenehmer Gedanke. Das Alter schreckt sie nicht, es gibt keine Hast mehr. Wer hat es eilig, ins Grab zu kommen? Glücklich zu sein bedeutet vielleicht, sich nicht nach der Vergangenheit zu sehnen und keine Angst vor der Zukunft zu haben.

aus: Der Olivenkern
bisher unveröffentlichter Roman

Erich Hackl
„Wir haben es durchgestanden, weil wir Glück hatten. Weil wir jung waren. Fünfzehn, du sechzehn. Weil wir kräftig waren. Weil wir schon als Kinder gelernt hatten, uns durchzuboxen. Weil sie uns am zehnten Oktober von dort weggeholt haben.“ „Du hast recht, wir hatten mehr Glück als Verstand.” „Das mit dem Glück ist relativ. Mir haben sie in der Folge, mit dem Strom, beide Achillessehnen abgerissen. Ich kann immer noch nicht richtig gehen. Aber schlimmer sind die psychischen Folgen. Bis heute.“

in: „Die Beatles in El Vesubio“
aus: Im Leben mehr Glück, Diagenes, 2019

Sofia Breustedt (1896 – 1942)
Ich denke sehr viel an Babbo und?an Dich und an unser Atelier in der Belvedere-Allee, bei den herbstlichen Sonnentagen. Die Ruhe dort und die bunten Herbstblumen. Und wie wir immer gesungen haben. An das letzte Atelier denke ich nicht so viel, weil es düster war und an solchen Tagen ist man ins Kirschbachtälchen gegangen. Weimar ist doch reizend eigentlich. Liebste Kleine, Deine süßen frohen Briefe machen mich sehr glücklich. Du hattest demnach eine sehr schöne Zeit. Schreib mir doch mal, wann und wo Du in Deinem Leben am glücklichsten warst. Ja?

Sofia Bremstest an ihre Tochter Marysia
aus: Hans Joachim und Sofia Breustedt
An Marysia. Eine Familiengeschichte in Briefen 1935–1950,
Mary Salzmann Verlag, 2015

Programm

15.00


Begrüßung: Franz Schmid, Kulturverein Schärding
Lesung Erich Hackl: Im Leben mehr Glück
Einführung: Hans Schusterbauer
15.45Pause
16.00Lesung Maria Eliskases: Der Olivenkern
16.45Pause
17.15



Sofia Breustedt: „Ich habe ein ganz tolles Glück!“
Briefe aus dem Warschauer Ghetto
Es liest: Iris Gumpenberger
Kommentar: Helga Hofer

Für Ihr leibliches Wohl wird gesorgt.

EINTRITT

  • Eintritt: 12 Euro
  • Jugendliche bis 18 Jahre: frei
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